Winnaleah


Man mag sich fragen, wie es einen in diesen abgelegenen Ort verschlägt, denn auf einer Landkarte sucht man den Ort recht lange.

In meinem Fall wurde ich durch andere Reisende auf den Ort und die dortige Jugendherberge aufmerksam gemacht. Hätte ich den Jugendherbergsführer Tasmaniens aufmerksam gelesen, dann wäre mein Interesse bestimmt auch dort geweckt worden.

Ich kam mit dem Postbus nach Winnaleah. Es war zwar eine lange Fahrt von St. Helens, denn schließlich mußte noch die tägliche Post verteilt werden, doch fand ich die Fahrt durch die hügelige, mit Regenwald überzogenen Landschaft einfach nur toll.

In Winnaleah liegt die Herberge etwas außerhalb und daher ist man darauf angewiesen, von den Herbergseltern abgeholt zu werden.
Obwohl ich mich angekündigt hatte, kam niemand um mich aufzusammeln. Zum Glück wurde ich von einer Dame mitgenommen, die im Umkreis von Winnaleah die Post auslieferte und mich an der Jugendherberge absetzte.

Dort angekommen klärte sich bald auf, warum niemand gekommen war, denn die Herbergseltern hatten zu viel Arbeit auf ihrer Farm.
Die Herberge befindet sich auf einem Bauernhof und besteht aus einem kleinen Häuschen mit drei Räumen, wovon einer die Küche und Aufenthaltsraum und die beiden anderen Schlafräume waren. Die Landschaft, in die die Herberge eingebettet ist, erinnerte mich stark an das deutsche Voralpenland und da hier auf der Farm verstärkt Viehwirtschaft betrieben wurde, verstärkte sich dieser Eindruck.

Die Tatsache, daß hier Viewirtschaft betrieben wurde, hatte noch einen besonderen Reiz, denn jedes Mal wenn die Kühe gemolken wurden, konnten sich die Herbergsgäste so viel Milch holen (kostenlos), wie sie meinten, davon trinken zu müssen.

Nun sind die meisten Leute nur die Milch aus dem Supermarkt gewohnt und wer nun diese frische Milch zu reichlich genoß, bekam doch arge Probleme. Trotz allem, die Milch war wahrlich von einer besonders guten Qualität.

Mich hatten aber nicht der kostenlose Milchkonsum oder diese sanften grünen Hügel hierher gezogen. Anreiz für meinen Abstecher war die Aussicht, einen kleinen blauen See besuchen zu dürfen.
Als ich davon gehört hatte, wollte ich es nicht glauben, daß es einen richtig blauen Natursee gäbe. Ich wurde eines Besseren belehrt.

Die Fahrt führte ich auf einem der von den Herbergseltern bereitgestellten Rädern durch. Etwas problematisch war dabei nur deren Größe, denn es waren Kinderräder. Als ich den See erreichte, war ich außerordentlich überrascht. Hier lag nun ein kleiner See in einem leuchtenden Blau vor mir, welches ich bisher noch nie gesehen hatte.
Der See lud wahrlich zum Verweilen ein und so blieb ich den gesamten Tag.

In direkter Nachbarschaft zu diesem See gab es noch eine Sehenswürdigkeit, die ich allerdings nur von weitem bewunderte.
Auf einem der Hügel konnte ich weithin sichtbar einen gewaltigen Felsbrocken sehen, der wie ein zu groß geratener Würfel aussah. Wie ich erfuhr, hieß dieser Felsen dann auch noch "The Cube".

Nach drei Tagen verließ ich diesen idyllischen Platz erst wieder, um in einem Rutsch über Launceston zurück nach Hobart zu fahren. Denn es stand nun mein heiß ersehnter Ausflug in den "Cradle Mountain - Lake St. Clair Nationalpark" bevor.


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