Strahan


Strahan ist ein Ort mit einer wirklich bewegten Vergangenheit und einer nicht zu unterschätzenden Bedeutung in den alten Tagen. Doch sieht man den Ort heute, so ist er nur noch ein Schatten seiner selbst.
Trotz dieser anscheinenden Bedeutungslosigkeit kam ich mit einer langen Liste Aktivitäten hierher. So wollte ich einen Rundflug über die alten unberührten Regenwälder bis hin zu den grandiosen Bergen im "Franklin Lower Gorden Wild Rivers Nationalpark" machen, eine Bootsfahrt über Tasmaniens größte Bucht, den Macquarie Harbour und dem Fluß Gordon. Natürlich wollte ich mir die grandiose Dünenlandschaft nicht entgehen lassen.

Meine mehrstündige Anfahrt von Stranley, die ich nur dank einer Mitfahrgelegenheit so zügig realisierte, nutzte ich, um mich über Queenstown und Strahan zu informieren.
Die Besiedelung der Westküste wurde sehr lange durch das Fehlen von natürlichen Häfen, die rauhe See und die hohen Niederschläge verhindert.
Dies änderte sich, als Seeleute, die auf der Suche nach Bauholz für Schiffe waren, eine riesige Bucht entdeckten. In dieser Bucht, die heute unter dem Namen "Macquarie Harbour" bekannt ist, besiedelte man als erstes im Jahre 1821 eine kleine Insel, die man "Sahara Island" nannte.
Besonders erblühte tat die Region, als eine Eisenbahnverbindung zwischen Queenstown und Strahan gebaut wurde und der Ort als Hafen zur Verschiffung von Gold, Silber, Kupfer, Blei und Holz diente.
So verknüpft mit dem wirtschaftlichen Erfolg eines Ortes, mußte der Stern von Strahan mit der Aufgabe von mehr und mehr Gesellschaften in Queenstown auch sinken.

Noch heute kann der Besucher viele Zeugnisse dieser bewegten Zeit in Strahan entdecken.
In der Jugendherberge des Ortes angelangt, buchte ich direkt für den kommenden Tag meinen Rundflug und für den darauffolgenden die Rundfahrt mit dem Boot. Dank meines Aufenthaltes in der Jugendherberge bekam ich sogar noch einen kleinen Rabatt auf die Ausflüge.

Bei herrlichem Wetter stieg am folgenden Morgen mein Flugzeug in den Himmel auf. Als Startbahn hatte die große Macquarie Habour gedient, denn es handelte sich um ein Wasserflugzeug. Zu Beginn ging es zum "Franchmans Cap", einem grandiosen Berg im "Franklin Lower Gordon Wild River Nationalpark". Dieser Berg ragt mit seinen 1443 Metern wie eine gewaltige Klippe aus der umliegenden Landschaft. Das Flugzeug wurde bei unserer Annäherung ziemlich durchgeschüttelt, doch der Pilot meinte beruhigend, daß dies normal sei.

Diesem Abenteuer folgte ein noch gewaltigeres, denn unser Flugzeug setzte schließlich zur Landung auf dem Fluß Gordon, der wie eine gewundene Schlange unter uns lang, an. Mir war es wirklich rätselhaft, wie sicher der Pilot seinen Flieger auf diesem Fluß mit seinen vielen Windungen aufsetzte. Hier stand nun ein Rundgang durch den Regenwald auf dem Programm. Es war wirklich beeindruckend. Etwas verwundert war ich, als ich zur Kenntnis nahm, daß das Wasser eine starke bräunliche Färbung aufwies. Ich versuchte es mir zu erklären, doch gelang es mir nicht. Der Pilot klärte mich auf. Zum einen versicherte er mir, daß dieses Wasser trotz seiner Färbung reinstes und klarstes Wasser sei, und die Farbe käme nur von bestimmten Pflanzen in dieser Region. Ich mußte auch gleich etwas trinken und wie ich feststellte, war dieses Wasser in Tat sehr gut.
Noch spektakulärer als die Landung war der Start des Flugzeuges. Der Pilot fuhr mit dem Flugzeug ein paar Windungen flußaufwärts, drehte um und gab Gas, während er den Windungen des Flusses folgte. Als er schließlich genügend Tempo hatte, hob das Flugzeug langsam ab, aber der Regenwald, der den Flußlauf begrenzte, raste auf uns zu. Doch eh ich mich versah, schwebten wir über dem Fluß und Wald. Es ging nun dem Groden folgend zurück nach Strahan.

Den Nachmittag nutze ich für eine Radtour zu den Sanddünen in der Nähe von Strahn. Auch wenn die Radtour nicht viel Spektakuläres aufwies, machten die Dünen jegliche Anstrengung wieder wett.
Ich brauchte eine ganze Stunde Fußmarsch durch diese Dünenlandschaft, bis ich den Ozean erreichte. Obwohl die See ruhig war, lag sie wild und unbezähmbar vor mir und ich konnte die Probleme der Seeleute früherer Zeiten nachvollziehen.
Als ich den Rückweg durch die Dünen antrat, geisterte stets die Warnung des Herbergsmanagements durch meinen Kopf, daß man sich leicht zwischen den Dünen verlaufen können.
Vielleicht hatte ich zuviel darüber nachgedacht, denn als ich das Ende der Dündenlandschaft erreicht hatte, stand ich vor dichtem Wald und von einem Ausgang war weit und breit nichts zu sehen. Auch war kein Mensch in meiner Nähe den ich hätte fragen können, doch gelang es mir nach ca. einer Stunde, den Ausgang zu finden.

Nach so viel Abenteuer stand am folgenden Tag etwas Gemächlicheres auf meinem Programm, nämlich eine fast zehnstündige Fahrt mit dem Boot über die Bucht und den Fluß Gorden.
Die Fahrt wurde als erstes bei Sahra Island unterbrochen, der Insel, die ganz am Anfang der Besiedelung der Region stand und trotzdem einen solch schlechten Ruf hat.
Diese Insel diente nämlich zur Isolierung von besonders schlimmen Strafgefangenen. Sie mußten hier, nicht von ihren Ketten befreit, schwerste körperliche Arbeit leisten.
So hart die Bestrafung schon war, trotzdem fand der menschliche Einfallsreichtum eine Steigerung des ganzen. Es gab nämlich nicht weit entfernt von Sahra Island einen kleinen Felsen, auf dem bis zu 40 Gefangene unter menschenverachtenden Bedingungen isoliert wurden. Für diese Gefangenen war der Tod eine Erlösung.
Erst als im Jahre 1834 das Gefangenlager in Port Arthur gegründet wurde, verlor dieses Sahra Island an Bedeutung.

Zutiefst bewegt verließen wir die Insel und die Fahrt über den Gorden begann. Besonders bekannt ist er für seine spiegelglatte Wasseroberfläche, in der sich der Regenwald in seiner ganzen Pracht widerspiegelt. Wir hatten Glück und mir wurde dieses Schauspiel zuteil. Ich war mir so manches Mal nicht sicher was nun echter Wald und was die Spiegelung war.
Auch bei diesem Ausflug stand ein Rundgang durch den Regenwald auf dem Programm. Dieser Stop wurde genutzt, um ein paar Abenteurer einzusammeln, die sich mit ihrem Schlauchboot bis hierher vorgearbeitet hatten. Sie waren eine ganze Woche mit ihrem Boot unterwegs gewesen. Auch wenn dieses Freizeitvergnügen nichts für mich ist, so ist es dennoch ein beliebtes Unternehmen, über den Franklin und Gordon die Wildheit der Natur zu erleben.

An diesem Abend wurde mir noch ein anderes Highlight geboten. Ich fuhr nämlich mit einem anderen Jugendherbergsgast an die Küste, um uns den Sonnenuntergang anzusehen und als hätte es jemand mit mir besonders gut gemeint, wurde es ein atemberaubender Abschluß meines Aufenthaltes in Strahan.




zurück zu...
REISE.LI Reiseberichte TASMANIEN HOMEPAGE