Maria Island


Einen Inseltraum findet der Tasmanienbesucher an der Ostküste Tasmaniens. Diese nur 20 Kilometer lange und an seiner breitesten Stelle 13 Kilometer breite Insel, bietet dem Besucher solch eine Abwechslung an Landschaftsformen, Flora und Fauna, daß jeder Tag den man länger bleibt, wie ein Schatz gehütet werden muß.

So bietet die Insel herrliche Sandsteinklippen, lange menschenleere Strände, Gipfel die zum Besteigen einladen, ursprünglichen tasmanischen Busch, oder auch vereinzelt Flecken mit Regenwald.
Neben diesen Naturschönheiten bietet diese Insel auch eine bewegte Vergangenheit, die es lohnt sich zu eigen zu machen.

Für mich war Maria Island ein Ort an dem ich mich an das Klima gewöhnen wollte und ich meine ersten Erfahrungen mit dem Wandern im australischen Busch machen wollte.

Wie gut diese Entscheidung war, stellte ich schon während der Überfahrt von Orford zu Insel fest. Orford ist einer der Orte, von dem regelmäßig eine Fährverbindung zur Insel besteht. Ich setzte bei herrlichem Sonnenschein auf die Insel über und so konnte ich dem "Mt. Maria" und "Bishop & Clerk", die beiden herausragenden Erhebungen dieser Insel meine volle Aufmerksamkeit zollen. In Gedanken begann ich auch schon durch den Wald zu streifen und die Gipfel zu erklimmen.

Doch ersteinmal mußte ich auf der Insel ankommen den Zeltplatz in Beschlag nehmen. Die Plätze unter den Bäumen waren alle schon vergeben und so spielte es keine Rolle wo ich mein Zelt aufstellte und die Sonne auf es herniederbrennen konnte.

Den Rest des Tages nutzte ich um noch etwas durch den Busch zu streifen und die Painted Cliffs zu besuchen. Wie sich herausstellte, hießen sie nicht zu Unrecht "Bemalte Klippen", denn diese Klippen besaßen herrlich strukturierte Muster aus verschieden Gelb- und Rottönen, wie ein großes Gemälde.

Den späteren Nachmittag und Abend verbrachte ich beim Zelt und ich dachte schon, ich wäre alleine, doch wie täuschte ich mich da. Je später und kühler es wurde, um so mehr Tiere erschienen auf dem Gelände des Zeltplatzes. Es gab Wallabies und eine Vielzahl von Vögeln zu sehen. Besonders oft war bei den Vögeln die Cape Barren Gans vertreten.

Am folgenden Tag stand die Besteigung des Mt. Maria auf meinem Programm. Da dieser Tag wieder sehr heiß zu werden schien, begann ich meinen Ausflug schon um sechs Uhr morgens.
Der Aufstieg auf die höchste Erhebung der Insel dauerte knapp drei Stunden. Auch wenn ich im Unterholz den Wanderweg gelegentlich aus den Augen verlor und mir das Kletten über Geröll unterhalb des Gipfels nicht sehr lag, kam ich schließlich oben an.
Vom Gipfel bot sich mir ein herrliches Bild. Ich konnte die Küste Tasmaniens sehen und die Gesamtheit Maria Islands überschauen. Doch all dies verblaßte beim Anblick der Landenge die die Insel in zwei Teile trennte und zu dessen beiden Seiten wunderschöne weiße Sandstrände lagen. Ich freute mich schon sehr auf den Besuch dieser Region.

Es war gegen Mittag, als ich wieder zurück beim Zelt war. Die Hitze war mittlerweile auch schon so unerträglich, daß ich mich nur noch im Schatten aufhalten wollte. Ich nutzte diese Gelegenheit, um mich etwas mit der Geschichte der Insel auseinanderzusetzten.



Nun erfuhr ich etwas von den Ureinwohnern, die auch hier auf Maria Island ihre Heimat hatten und den ersten Europäern, die die Insel für sich entdeckten.

Abel Tasman war der erste der im Jahre 1642 dieses Eiland entdeckte und ihr den Namen "Maria Island" gab. Ihm folgten in den nächsten Jahrhunderten verschiedene Entdecker wie z.B. Tobias Furneaux (1773), Captain James Cox (1789), Kapitän Nicolas Baudin (1802) und Captain James Kelly (1816).

Schließlich wurde Maria Island als Basis einer Gefangenenstation auserkoren. Das erste Lager entstand im Jahre 1825. Dies war vier Jahre bevor Port Arthur zum bedeutensten Gefängnis heranwuchs.

Nachdem das erste Lager im Jahre 1832 geschlossen wurde, wurde es 1842 wieder in Betrieb genommen. Zu dieser Zeit gab es zwischen 600 - 700 Gefangene. Doch nach rund acht Jahren wurde dieses Lager wohl aus Kostengründen wieder aufgegeben.

Im Jahre 1864 begannen etwas freundlichere Zeiten. Zu diesem Zeitpunkt entstand ein kleines Weingut auf dem auch Seide produziert wurde.
1887 wurden die wirtschaftlichen Bemühungen deutlich erweitert. So wurde verstärkt auf Landwirtschaft, den Export von Holz oder die Erzeugung von Zement gesetzt. Doch all die intensiven Bemühungen, hier eine gesunde und blühende Industrie aufzubauen, halfen nichts. Ende des 18. Jahrhunders mußte Konkurs angemeldet werden.

Bis in die 20er Jahre des 19. Jahrhunderts war es etwas ruhig auf Maria Island, doch dann wurde erneut die Zementproduktion aufgenommen. Die Einwohnerzahl stieg in dieser Zeit auf mehr als 500 Einwohner. Es wurden sogar soziale Einrichtungen wie Schulen und Kinos errichtet. Doch auch diese Periode war nur von kurzer Dauer. Die Firma schloß ihre Tore um 1930.

Bis zum Jahre 1971 wurde das Land von Pächtern bewirtschaftet. Nun kam jedoch die große Wende für diese Insel. Denn im Jahre 1972 wurde die Insel zum Nationalpark erklärt.
Jetzt konnten die Natur und die Tiere wieder das Regiment über diese kleine Insel übernehmen.



Als ich das Studium der Literatur beendet hatte, war ich einigermaßen von solch einer bewegten Geschichte überrascht.

Am kommenden Tag besuchte ich die "Fossil Cliffs", eine hohe Klippe auf der Ostseite der Insel und ich bestieg "Bishop & Clerk". Hier von einem Berg zu sprechen, ist wohl zuviel. Denn bei diesem Gipfel handelt es sich um das nördliche Ende des Bergrückens, der diese Insel durchzieht. Dieser Punkt zeichnet sich durch säulenartig angeordnete Felsformationen.

Im weiteren Verlauf meines Aufenthaltes zog es mich noch an das Südende der Insel. Ich campierte schließlich in der Region der Landenge von Maria Island. Ich genoß den Aufenthalt an dieser Stelle sehr, denn das Wasser war seicht und warm, dadurch ein hervorragendes Gebiet um ausgiebig im Meer zu baden.

Einen Ausflug ans äußerste südliche Ende der Insel ließ ich mir auch nicht entgehen. Auf diesem Streifzug konnte ich nämlich über den kilometerlangen Strand der Landenge wandern und im Wald in Ruhe Tiere beobachten.

Doch schließlich ist auch die schönste Zeit vorüber und ich mußte die Insel wieder verlassen. Auch wenn ich mit einer Woche Aufenthalt ungewöhnlich lange auf diesem Eiland war, möchte ich nicht eine Sekunde missen.



Painted Cliffs
Painted Cliffs
"Shoal Bay"
Strand auf der Landenge von Maria Island
"Fossil Cliffs"


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