Mole Creek


Findet man diesen Namen auf einer Landkarte Tasmaniens, mag sich der Besucher kaum vorstellen, daß es dort irgend etwas interessantes gäbe.
Die offensichtlichen Sehenswürdigkeiten sind auch nicht allzu reichlich. So gibt eins der besten tasmanischen Wildgehege, eine kleine Honigfabrik, in der diese Leckerei vom "Leatherwood"-Baum gewonnen wird oder die Alum Klippen, die sich tief im Wald versteckt halten.

Doch was ist all dies gegen die versteckten unterirdischen Welten. Das gesamte Gebiet ist von unterirdischen Flüssen durchzogen und es gibt große oder kleine, feuchte oder trockene, mit oder ohne Glühwürmchen bewohnte Höhlen. Bis heute ist nur ein kleiner Teil dieser gigantischen unterirdischen Welt erkundet.

Ich wußte zwar von den überirdischen Attraktionen, doch von dieser unterirdischen Welt war mir nichts bekannt. Um so erfreuter war ich, als ich während meines Aufenthaltes in der Jugendherberge von Deloraine über einen Prospekt stolperte, in dem Höhlenexkursionen angeboten wurden.

Wie sich bei weiteren Erkundungen herausstellte, wurde diese Exkursion im Herbergsbuch überschwenglich gelobt und so fiel bei mir die Entscheidung, den Tagesausflug, der mit 120 DM recht teuer war, zu buchen.

Als ich am Morgen von meiner Führerin abgeholt wurde, stellte sich heraus, daß ich der einzige Interessent war. Zum Glück holte sie noch eine Bekannte ab, so daß ich meine Eindrücke direkt mit jemandem teilen konnte.

Auf der Fahrt zur ersten Höhle wurden wir mit allerlei geologischen Informationen über die Region vollgestopft. Dies fiel meiner Führerin um so leichter, da sie schon seit einigen Jahrzehnten die Höhlen dieser Gegend erkundete und sie eine der wenigen Personen ist, die eine offizielle Erlaubnis, besaß die Unterwelt zu erforschen.

Die Höhlen, die wir im Laufe des Tages aufsuchten, waren sehr unterschiedlicher Natur. Auch waren dies keine Touristenhöhlen, denn wir konnten nur mit vollständiger Höhlenausrüstung (Helm, Blaumann, festes Schuhwerk, Helmlampe usw.) in die Höhlen einsteigen.

Die erste Höhle wartete mit grandiosen Tropfsteingebilden auf, an denen ich mich kaum sattsehen konnte. Das Klettern durch diese Höhlen empfand ich als sehr aufregend, doch Sorgen machte ich mir nie, denn die Führerin machte stets einen sicheren Eindruck.

Die zweite Höhle unterschied sich sehr von der ersten, denn hier gab es keine Tropfsteine, sondern sie machte mehr den Eindruck eines Stollens, der schnurgerade in den Berg getrieben wurde.
Hier durften wir auch etwas herumklettern, doch durch den feuchten und lehmigen Untergrund mußte ich mich gelegentlich gut gegen die Wände abstützen. Zusätzlich mußten wir darauf bedacht sein, nichts absichtlich oder auch unabsichtlich zu beschädigen.

Bei der dritten Höhle dieses Tages handelte es sich um die größte und die am tiefsten in den Berg hineinverlaufende. Diese Höhle durchzog ein unterirdischer Flußlauf, durch den wir meist knöcheltief wateten. Als wir uns an nasse Füße gewöhnt hatten, ging es noch tiefer ins Wasser. Schließlich waren wir bis zum Po völlig durchnäßt.

An so manch einer Stelle wurden ernsthafte Warnungen ausgesprochen auf den Weg zu achten, denn an diesen Stellen wußte niemand genau, wie tief das Wasser tatsächlich war.

Schließlich waren wir 750 Meter tief in den Berg vorgedrungen und wir hatten eine weitere Höhle erreicht. Hier mußten wir all unser Licht aus machen und warten was geschah.

Wie aus dem Nichts begann überall ein Leuchten in der Höhle. Zu Beginn ging es ganz langsam, doch je länger wir warteten, um so mehr von diesem eigentümlichen Leuchten bekamen wir zu sehen. Schließlich erschien es einem, als würde man unter einem herrlich klaren, mit Sternen überzogenen Himmel, stehen. Unsere Begleiterin holte ihre Querflöte hervor und umrahmte dieses herrliche Bild mit ihrem Spiel.

Schließlich war der Rückweg anzutreten, denn wir mußten wegen der feuchten Kleidung und den Stromreserven in den Lampen vorsichtig sein.

Zum Abschluß dieses Tages besuchten wir noch eine völlig andere Höhle. Sie wies viele Öffnungen zur Oberfläche auf, durch die das Licht wie spitze leuchtende Nadeln ins Dunkel stachen.

Völlig erschöpft und mit unzählig vielen Eindrücken beladen, erreichte ich am Abend wieder die Jugendherberge. Hier verschwendete ich keinen Gedanken mehr an das Geld, denn diese Schönheit und die fachkundige Führung waren es allemal wert gewesen.


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